Archivistin - Autonautin - Artistin - Alpin

Sigismundkapelle, Regensburg

16. Mai – 15. Juni 2018

Eröffnung am Dienstag, 15.05.2018 um 19:30 Uhr

Ausstellungsdauer: 16. Mai bis 15. Juni 2018
Einführung: Andrea Lamest M.A.

Das Jahresthema in der Sigismundkapelle »Grenzen« bearbeitet Susanne Neumann mit einer Rauminstallation, die versuchen wird, eine große europäische Grenze - die Alpen - »erfahrbar« zu machen. Die Künstlerin reist häufig zwischen Bayern und Italien über die Alpen und vermischt in ihrer Lebenswelt ihre Oberpfälzer Wurzeln mit ihrer kulturellen Sozialisierung in der Toskana. Als sie ihre Heimatstadt Waldsassen verließ, um in Florenz Künstlerin zu werden, begann damit auch die Auseinandersetzung mit zwei Kulturen, die so unähnlich nicht sind und die sich nach Susannes Vorstellung an den Alpen spiegeln.
Die Alpen als einerseits unüberwindbares Hindernis, aber auch als durchlässiges Nadelöhr, als mächtige Sperre und als Brennglas der eigenen Empfindungen, wenn der Brenner überwunden und die Poebene sich entfaltet. Neumann wird in Ihrer Installation in der Sigismundkapelle die Alpen nach Regensburg holen und versuchen Bayern mit Italien zu verschmelzen.

AUSGESTELLTE ARBEITEN in der SIGISMUNDKAPELLE

1. Sammlung abgerissener AUTOSPIEGEL aus Florenz, Sammlungszeitraum: zwischen 2000 – 2012 und Fotografie, Via delle Bagnese, Firenze

Fundort: eine enge Verbindungsstraße zwischen Firenze Sud und Scandicci (Via delle Bagnese); ein Villenvorstadtviertel mit hohen Mauern und großem Verkehrsaufkommen und die perfekte »scorciatoia« zwischen Firenze und Scandicci; der Preis der Abkürzung – tausendfach abgerissene Autorückspiegel. Die Enge der Straße lässt keine zwei Autos sich aneinander vorbeischiebend zu – geschweige denn ein zusätzliches Hindernis in Form einer Sammlerin. Somit wurden die Sammlungseinsätze (2000 – 2012) jedes Mal zu einem gefährlichen Unterfangen. Die silbrig glitzernden Rückspiegelfragmente im Straßenranddreck als märchenhaft-mythisches Relikt einer bizarren Periode der Menschheitsgeschichte, deren Kennzeichen nicht die Schnurkeramik ist, sondern die Autobahn mit ihrer Verheißung auf Freiheit, Mobilität und Geschwindigkeit. Immer mit dabei Dorothey Lewitt aus London, die 1909 in ihrem Werk »The Woman and the Car: A Chatty little Handbook for the Edwardian Motoriste« den Autofahrerinnen folgenden Ratschlag an und in die Hand gab: »Frauen sollten an geeignetem Platz im Auto einen kleinen Handspiegel mitführen und ihn von Zeit zu Zeit hoch nehmen, um während der Fahrt im Verkehr nach hinten zu blicken.«

»Zersplitterte Autospiegel«, 90teilig, Autospiegelfragmente, Fundort Florenz, 2000 - 2012

2. Der MOOSSTUHL (nebst Schnecken)

Objekt gefunden in einem Waldstück nahe Waldsassen, der bemooste Autositz, auch er eine Reliquie

mit Verheißungscharakter: Unabhängigkeit und Individualität, Vergänglichkeit und Transformation.

3. Über Stock und Stein

Diverse Fahrzeuge und Handwagen gefüllt mit Objekten, die man über die Alpen brachte: Salz, Glas, Menschen, Wein!

»Über Stock und Stein«, mixed media, 2018

4. Der große PARAVENT - das große BRENNGLAS

Unterteilt in 5 Segmente zeigt der Paravent die (winterliche) Alpennord- und eine sommerliche Alpensüdseite. Den Durchblick - frei nach dem Motto »Nieder mit den Alpen – freie Sicht aufs Mittelmeer« (aus der Züricher Punktbewegung der 90iger Jahre) - gewähren farblich abgestufte Glastafeln (aus der Glashütte Lamberts Waldsassen).

Die Geschichte der Alpen ist gleichzeitig auch die Geschichte ihrer Überwindung. Ihrer Bezwingung, Eroberung, Zähmung, Kulturation, Erschließung, Nutzbarmachung – und ihrer Überquerung.

Über die Alpen: Seit der Jungsteinzeit hat es Menschen »über die Berge« gezogen. Aus wirtschaftlichen, politischen, militärischen, religiösen, wissenschaftlichen, literarischen, touristischen, sportlichen Gründen. Die Alpen sind das Gebirge mit der größten Verkehrsdichte. Passstraßen verbinden Täler und Länder, unzählige Tunnel durchbohren den Fels, Millionen LKW über- oder durchqueren die Berge jährlich, tausende Bahnstrecken schlängeln sich an ihren Abhängen entlang.

Die Alpen: einerseits unüberwindbares Hindernis, aber auch durchlässiges Nadelöhr, mächtige Sperre und Brennglas der eigenen Empfindungen, wenn der Brenner überwunden und die Poebene sich entfaltet.

»Paravent«, 5 Elemente, je 233 x 95 x 10 cm, Bilder Acryl auf Leinwand, Holzkasten, 2018

5. Die EISENBERGE

Fundstücke und Eisen und Plastik zugleich.

»Eisenberge«, 4 Objekte, 55 x 42 x 40 cm, Eisen und Plastik, 2010

6. ÖTZIMOBIL

Ein Badewannenfahrzeug mit archaischen Objekten – Ötzis Mobil zur Überwindung der Alpen!

7. der LICHTWAGEN

Fundstücke, der Lichtwagen bringt Wärme und Licht aus dem Süden in den Norden.

»Lichtwagen«, Holz, Eisen, Neon, 100 x 70 x 100 cm, 2007

8. die AUTOBAHN

Serielle Arbeit zum Thema Autobahn; die kleinformatigen Bilder wirken wie die Seiten eines Daumenkinos. Die Wegstrecke durch die Alpen (von Bellinzona nach Chur) in chronologischen Bildern wird aufgefächert und auf Leinwand fixiert. Gedankenblitze, Bilder, Meditation, Autobahn.

»Autostrada«, Acryl auf Leinwand, 30 x 30 cm, 2012

9. STOP & GO

Porzellanhände weisen den Weg und begleiten durch die Alpen.

»Porzellanhände«, Eisen, Porzellan, 2017