Finding the Forest

Schwandorf

23. Juli – 10. September 2017

Mit der Ausstellung finding the forest widmet sich das Oberpfälzer Künstlerhaus einer Thematik, welche auf den Wald als Lebensraum eingeht und dabei gleichzeitig eine metaphorische Ebene aufgreift.

Künstlergespräch: Sonntag, 20. August 2017, 14:30 Uhr
mit Dominic Jähner, Susanne Neumann und Anna Maria Schönrock

Dominic Jähner - Video, Installation

Susanne Neumann - Malerei, Installation

Sasha Petrenko - Video

Anna Maria Schönrock - Malerei

 

Aus DER NEUE TAG, von Susanne Wolke

"finding the forest" im Künstlerhaus

Der Deutsche und sein Wald

Dass die Deutschen eng mit ihrem Wald verbunden sind, ist in der heimischen Malerei, Musik und Poesie vielfach verankert. Das Oberpfälzer Künstlerhaus widmet sich dem Thema nun in zeitgenössischer Form.

Bitte keine toten Tiere!" Der Eintrag steht in sorgfältiger Kinderschrift im Gästebuch des Oberpfälzer Künstlerhauses. Für die Kuratoren bedeutet der Satz zweierlei: Erstens vermag eine Ausstellung, die neben Gemälden und Videoarbeiten noch ausgestopfte Füchse und von Moos überwucherte Autositze zeigt, auch das junge Publikum zu bewegen. Zweitens scheint der Ausgangsgedanke zur aktuellen Schau in Schwandorf bestätigt: "Die besondere Beziehung des deutschen Bürgers zu seinem Wald ist hinreichend bekannt", heißt es einleitend zur Ausstellung in der Kebbel-Villa. "Finding the forest", der Titel der Präsentation gibt sich zwar international, der Geist der Ausstellung begründet sich aber tief in der deutschen Seele.

Märchenhaft und anziehend, dabei aber auch voller Gefahren: Der Wald wurde glorifiziert, romantisiert und mystifiziert. Diese Vorliebe hat sich keinesfalls in der Romantik erschöpft. Das zeigen nicht zuletzt die vier Künstler, die sich in Schwandorf nun mit dem Thema auseinandergesetzt haben.

Dominic Jähner (Nürnberg), Susanne Neumann (Waldsassen), Anna Maria Schönrock (Nürnberg) und Sasha Petrenko, die als kalifornische Stipendiatin Kontakt zum Oberpfälzer Künstlerhaus geknüpft hat: Sie alle beschäftigen sich mit dem Wald auf zeitgenössische Weise.

Denn natürlich ist auch der ausgestopfte Fuchs nicht einer spießbürgerlichen Waidmanns-Ästhetik geschuldet. Susanne Neumann hat den konservierten Meister Reineke im Schuppen ihrer Großeltern gefunden. Und zwar gemeinsam mit weiteren ausgestopften Tieren, Geweihen und Spazierstöcken, die sie nun unter dem Titel "Sacro Bosco" vereint - eine nicht nur namentliche Anlehnung an den "Park der Ungeheuer", einen italienischen Skulpturenpark des 16. Jahrhunderts.

Dass sich Susanne Neumann im Rahmen ihrer Promotion zudem mit Einflüssen zwischen der europäischen Gartenkunst und der Science Fiction beschäftigt, klingt weniger überraschend angesichts des Werks von Dominic Jähner. Der Nürnberger widmet sich vornehmlich dem Science-Ficition-Film.

Dabei geht es nicht nur um Raumkapseln und Weltraumreisen. Der Wald als Rahmenkulisse erinnert bei Dominic Jähner an die in der Science-Fiction immer wiederkehrende Rückeroberung der durch den technischen Fortschritt zerstörten Welt durch die Natur.

Eine aktuelle Tendenz greift auch die Performance- und Videokünstlerin Sasha Petrenko auf. Die Kalifornierin ist Mitbegründerin der Bewegung "The new urban naturalists". Ihr Video "Lessons from the forest", das in der Schwandorfer Ausstellung gezeigt wird, entstand während Petrenkos Stipendium im Oberpfälzer Künstlerhaus. Damals war die Künstlerin fast täglich im Wald unterwegs.

Ein letzter Rest traditioneller Wald-Malerei ist in den Arbeiten Anna Maria Schönrocks zu finden. Die Malerin beschäftigt sich vornehmlich mit Stillleben - wenn auch auf eigenwillige Weise. Hier gibt es keine Ansammlungen lebloser Jagdtrophäen. Vielmehr scheinen die Tiere in Schönrocks dynamischen Ölbildern oft noch lebendig. Zumindest teilweise dürfte der Forderung junger Naturschützer also Genüge geleistet sein: "Bitte keine toten Tiere!"