Sacro Bosco

KV Kohlenhof Nürnberg

4. Dezember 2016 – 14. Januar 2017

Die in Waldsassen geborene und aktuell in Wien und Waldsassen lebende Künstlerin Susanne Neumann bezieht sich mit dem Titel ihrer Ausstellung „Sacro Bosco“ auf einen „Heiligen Hain“ in Italien – eine Art Zauberwald mit grotesk anmutenden Renaissance-Skulpturen. Der „Sacro Bosco“ ist ein mit Monumentalskulpturen und antikisierenden Architekturen ausgestatteter manieristischer Park nahe der Stadt Bomarzo.

In ihrer Installation nimmt die Künstlerin den konkreten Ort zum Anlass für eine Spekulation über den Wald als einen Leben spendenden, bedrohten Naturraum und als einen Ort der Inspiration, der Phantasie und der Sehnsucht: Der Wald als hochsensibles System miteinander vernetzter und kommunizierender Lebensgemeinschaften, als sublime Stätte romantischer Sehnsucht, als Müllhalde und Rohstofflieferant. Aufgeteilt und eingereiht zwischen Urwald und Rückegassen, zwischen Mythos und Staatsforsten ist die Ausstellung „Sacro Bosco“ eine Gemengelage aktueller Lebensaufgaben und Forschungsinhalte der vielschichtigen und vielseitigen Künstlerin Susanne Neumann. Es geht ihr dabei vor allem um die Kunst der Inszenierung von Waldeinsamkeit und Waldesnacht, von Waldesweite und Waldesrauschen mit Mitteln der Malerei und Installation.

Der Wald als Heimstätte mysteriöser Vorgänge und Projektionsfläche eigener Sehnsüchte, das ist das Wipfelgrundrauschen im deutschen Gemüt – damit wird sich die Künstlerin in dieser Ausstellung beschäftigen. Exemplarisch steht dafür auch Neumanns Entrüstung und seit Monaten geführter Kampf gegen die kruden Erntemethoden der modernen Holzwirtschaft, allen voran der Staatsforsten, die mit Harvester Holzvollernte-Maschinen den Wald zerstückeln.

Die ausgestellten Werke:
1. NEONZAUN, variable Menge, U-förmige Neonröhren, Anschlüsse, 2005

Die Neonröhren stammen aus der mittlerweile verschwundenen Porzellanfabrik Bareuther in Waldsassen; dort lagerten die speziell gebogenen Röhren containerweise in einer Halle. Einige konnte ich retten und sie bilden im Schaufenster des Kunstvereins Kohlenhof eine Art Zaun über den man in die Ausstellung blicken kann.

2. HOLZ, Malerei, 100 x 150 cm, Acryl auf Leinwand, 2012

Das Bild entstand nach einem Arbeitsaufenthalt im Zillertal, genauer im Tux, dort verbrachte ich einen Monat mit Wandern und Malen; befreundete Künstler aus Wien hatten mich zu dieser „Sommerfrische“ eingeladen. Dort faszinierten mich vor allen die an den Steilhängen windschief drapierten Holzberge.

3. Großvaters alte Sägen

Die Sägen meines Großvaters Max. Max war von Beruf Gattersäger.

4. FOX, Objekt, Holzwürfel, Glashaube, Fell, 2016                    
Eine Objektversammlung, Fuchsfell, Holzwürfel und Hocker. Die beiden letztgenannten Objekte stammen ebenfalls aus der Porzellanfabrik Waldsassen; der Fuchs aus dem Wald. Er wohnt jetzt in einem Glassturz.

5. HARVESTER, Serie, Fotografie, 40 x 80 cm, gerahmt
Fotografien; entstanden diesen Sommer, nachdem die Holzvollernter den Wald meiner Kindheit zerstöckelt hatten; die Wege sind nicht mehr passierbar; der Boden verdichtet, die Bäume entlang der Rückegassen verletzt. Eindrücklich sind die in ca 2 Meter Höhe gekappten Baumstämme.

6. Ofenobjekt, 1945
Ein Fundstück, Flohmarkt Wien, ca. 2014. Das Ofenobjekt wurde 1945 in England, Sussex produziert. Voll funktionsfähig. In der Ausstellung SACRO BOSCO im Dialog stehend mit den Fotografien vom Harvestereinsatz.

7. GROSSVATERS Sägebock, Bronze, 2016
Grossvaters Sägebock, tausendmal repariert, mit vielen Gebrauchspuren; vor dem Frühstück und dem Kirchgang wurde immer eine halbe Stunde gesägt; der wackelige Sägebock wurde in Mailand in Bronze gegossen. Ein Alltagsobjekt ohne materiellen Wert, dennoch aufgeladen mit Erinnerungen wird blockiert und in Bronze fixiert.

8. DER WALDL, Fotografie, 1965
Der Langhaardackel meiner Mutter hörte auf den Namen WALDL. Er wurde 17 Jahre alt und starb 1967. Darunter ein kurioses Flohmarktfundstück.

9. DIE WINDSCHLANGE MIT DEN NAZIKNÖPFEN,
Windstopper, Handarbeit, Podest, ca. 1947
Ein von Großmutter handgenähter Windstopper gegen Zugluft in den Doppelfenstern. Das Stoffmuster erinnert an einen Tarnanzug, aber auch an eine Dschungelschlange; die Augen der Windschlange sind Knöpfe von Großvaters Wehrmachtsuniform.

10. Krickerllampe, Objekt, 1995
Lampe und Krickerlhaufen.

11. FUNGHI, Serie, Fotografie, 40 x 80 cm, gerahmt

12. Ein SCHILDERWALD, 2015
Schablonen mit den Namen meiner Aufenthaltsorte; BERLIN, WALDSASSEN, FIRENZE, SEGGIANO, VIENNA; ausserdem ein Hinweisschild aus Waldsassen (Ziegelwerk)

13. Das WILDSCHWEIN und der DACKEL schauen einen schrecklichen Film, 2016
Hommage an Nam June Paik
Videoarbeit: Ein ausgestopfter Eber betrachtet einen Film über eine Wildschweinjagd. Nam June Paiks »TV-Buddha« kommt einem hier in den Sinn: So wie der Buddha Paiks sein TV Bild betrachtet und dabei die Annäherung seiner selbst mit dem Medium, die Konfrontation von östlichem und westlichem Denken meditiert, so scheint das Wildschwein in der Betrachtung der Jagd seine eigene Existenzweise zu erkennen. Man darf vermuten, ja hoffen, dass sich bei dieser Wahrnehmung im Bewusstsein – in welchem auch immer – eine Revolution anbahnt. Das Bewusstsein des Tieres erscheint in dieser Arbeit in uns als das verdrängte Bewusstsein eines missachteten, missbrauchten Lebens.  (Michael Schels)

14. HARVESTER, Serie, Fotografie, 40 x 80 cm, gerahmt

15. DAS GROSSE ORNAMENT / ALTAR, diverse Objekte, 2016     
Ein ornamentaler Objekthaufen; strukturiert, dynamisch, mysteriös; wem wird hier gehuldigt?

16. Film „Cinghiale 2008“ , Italien

Das Video habe 2008 in Italien erworben und es erst kürzlich, also fast 10 Jahre später gesichtet und ich war schockiert; ich habe italienische Jäger beobachtet, meistens nur im Wald gehört und an der Bar gesehen; der Geruch ihrer Jacken, die Lust am Töten, das Glas Rotwein zum Frühstück: dieses Video zeigt all ihr Ansinnen und Vorgehen. Das Wildschwein betrachtet scheinbar gelassen das grausige und willkürliche Töten; den Menschen überdauern wird es sicher.

17. BOSCHHIRSCH, Kühler, Ventilator, Vogelnest, 2008

Das Objekt gefunden habe ich in der nun verschwundenen Porzellanfabrik Bareuther in Waldsassen, damals noch ohne Nest natürlich; dieses kam hinzu, als ich das Objekt einen Sommer lang in meinem Garten über der Eingangstür zur Scheune installierte, als „Boschirsch“ eben; eine Amsel fand den Ort scheinbar angemessen für die Aufzucht ihrer Miniamseln; ich habe das Nest ein bisschen fixiert und doch scheint es jeden Moment davonfliegen zu wollen.

18. KRICKERL flach, 30 x 30 cm, Acryl auf Leinwand, 2010

Die Krickerl hat mir ein Wirt ein Waldsassen geliehen, Hans Bruischütz, ich benutzte diese als Vorlage für Krickerlflachware! Bilder als für die Städter und ihre engen Münchner Wohnungen; sie können sich ein Krickerl ins Zimmer hängen, ohne sich daran die Augen ausstechen zu müssen.

19. Wurzelstock, 80 x 100 cm, Acryl auf Leinwand, 2013                             

20. Wurzelhaube, 80 x 100 cm, Acryl auf Leinwand, 2013                             

Die zwei Bilder entstanden ebenfalls nach meinem Aufenthalt im Tux. Darunter kuriose Objekte; einmal die im Holzscheit festsitzende Axt, die ich so in einer Holzscheune fand (offenbar abgelegt nach vergeblichen Mühen beide Objekte voneinander zu trennen ) und eine Porzellanskulptur, deren Funktion vollkommen unklar bleibt.

21. Holzspalterei, Objekt, 1987                                                               

22. Porzellanobjekt, 2008                                                                                 

23. DIE ZWEI, Pappaufsteller, 2010                                                        

Die beiden Damen leicht vergrößert sind aus einer 50er Jahre Fotografie entsprungen.

24. GRÜN DIE WÄLDER, grau die Burgen, Video mit dem Männergesangverein
Waldsassen, realisiert 2004                                                                                 

Das Video haben wir zusammen mit dem Männergesangverein Waldsassen im Jahr 2004 produziert; der Chor schmettert einen Sängergruß „Grün die Wälder, grau die Burgen“ - so ist sie die Oberpfalz, grün und grau und schön.

25. Felsenfetzen, Pappmachéteile eines Felsens; 2015                                 

Die Papierobjekte sind Teile eines riesigen Pappmachéfelsens, den ich 2015 in einer Ausstellung in Wien zeigte; den Felsen hatte ich vor Ort in eine kleines Zimmerchen mit vier Durchgangstüren gebaut, die Besucher mussten sich an dem Felsen vorbeiquetschen. Am Ende der Ausstellung wurde der „Stein“ zerlegt und bildet nun den Rahmen für 2 Felsenbilder; beide Motive stellen dieselbe Bergformation dar, eine „Wollsackverwitterung“ wie man sie oft in der nördlichen Oberpfalz findet.

26. Wollsackverwitterung (Mike I), 100 x 80 cm, Acryl auf Leinwand, 2013    

27. Wollsackverwitterung (Mike II), 100 x 80 cm, Acryl auf Leinwand, 2013                

28. 5x Seggianosensation/1x der Ringelfelsen, 40 x 60 cm, Acryl auf Papier             
5 Skizzenblätter / Entwürfe mit Motiven um Seggiano, Italien

29. Funghi vom Monte Amiata, 40 x 60 cm, Acryl auf Papier                                         

30. DIE HERDE (Hommage an J.B. go home)                                           
Eine Herde aus „Trittchen“ bevölkert den Wald.

31. Grosses Wandbild I, Sacro Bosco (Oicherlwold in Seggiano), 15teilig, Acryl auf Leinwand, 2016

32. WURZEL aus Wien, Efeu vorm Atelier, 2015                                                                                 

33. MOOSSITZ, Objekt, alter Autositz, Moos, 2016

Objekt in den Wald gelegt und bemoosen lassen (vielleicht aber auch gefunden).

34. Grosses Wandbild II, Rückegasse (Staatsforst in Waldsassen), 24teilig, 2016

35. DIE HERDE (Hommage an J.B. go home)                                                                        

36. DAS BETT, Bett, Wald, Neon, 2016                                                                                                   
Das Bett kommt aus Paris, befand sich eine Zeit lang in Seggiano und ist jetzt nach Nürnberg gerollt. Ein Waldbett im SACRO BOSCO, darin einen Schlaf übermannen soll und man dann wie Poliphilos in der Hypnerotomachia träumend eine fantastische Landschaftsarchitektur durchwandert

37. DIE AMSEL vielleicht, Objekt, 1949                                                                                                

38. DER BAUMSCHWAMM, Seggiano, 2010                                                                                  
Wuchs jahrelang streng bewacht neben meiner Wohnung in Italien an einer Rieseneiche. Dann eines Tages war der Moment gekommen. Ich habe den Pilz abgetragen und langsam getrocknet.

39. PILZE, 20 x 30 cm, Acryl auf Leinwand